Der Übergang zu einer Portfolio-Karriere: Der Anfang
- Riccardo Decarolis
- 2. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

In den letzten Monaten wurde mir immer häufiger dieselbe Frage gestellt:
Warum eine Portfolio-Karriere? Und was braucht es wirklich, um diesen Wechsel zu vollziehen?
Für mich ist dieser Übergang noch nicht abgeschlossen. Er hat gerade erst begonnen.
Nach mehreren Jahren in anspruchsvollen Positionen in den Bereichen Beratung, Nachhaltigkeit und organisatorische Transformation kam ich an einen Punkt, an dem eine einzige, lineare Rolle nicht mehr meinen Vorstellungen davon entsprach, wie ich arbeiten, lernen und einen Beitrag leisten möchte. Anstatt mich für einen konkreten nächsten Schritt zu entscheiden, beschloss ich, bewusst eine Kombination von Rollen zu erkunden und abzuwarten, was sich aus diesem Prozess ergibt.
In den letzten Monaten hat dies in einigen konkreten Punkten Gestalt angenommen. Ich habe Tranclarity ins Leben gerufen und bin dabei, es aufzubauen. Ich habe einen befristeten Vertrag im öffentlichen Sektor und ich erkunde aktiv Möglichkeiten für Lehrtätigkeiten und Gastvorträge, indem ich wieder Kontakt zu Personen aus meinem Netzwerk aufnehme. Zusammen bilden diese Elemente die ersten Ansätze eines Portfolios. Es ist noch nicht vollständig definiert, aber durch einen roten Faden verbunden.
Warum eine Portfolio-Karriere schon zu Beginn richtig erscheint
Selbst in dieser frühen Phase werden bereits einige der Vorteile eines Portfolio-Ansatzes sichtbar. Die Arbeit in verschiedenen Kontexten im öffentlichen Sektor, die Beratungstätigkeit und das aufkommende akademische Engagement schaffen Kontraste und schärfen das Denken. Erkenntnisse aus einer Rolle fliessen unmittelbar in die anderen ein. Politische Diskussionen beeinflussen die Beratungstätigkeit, während die Reflexion über Lehrmaterialien zu klarem Denken führt.
Ebenso wichtig ist, dass diese Arbeitsweise gut zu meiner persönlichen Motivation passt. Ich schöpfe Energie aus Veränderungen, aus dem Lernen und aus der Zusammenarbeit mit Menschen in unterschiedlichen Umgebungen. Ein Portfolio ermöglicht es mir, meine Arbeit um diese Energie herum zu gestalten, anstatt sie auf eine einzige Rolle zu beschränken. Gleichzeitig schafft es Optionen. Nicht die Bequemlichkeit, alles im Voraus zu wissen, sondern die Freiheit, zu testen, zu lernen und mich anzupassen, während ich voranschreite.
Die Herausforderungen zeigen sich früh
Was ebenfalls sehr schnell klar wird, ist, dass eine Portfolio-Karriere nicht automatisch einfacher ist, insbesondere zu Beginn. Unklarheiten gehören dazu. Die Rollen sind fliessend, die Strukturen entwickeln sich weiter, und die Beantwortung der Frage „Was machen Sie beruflich?“ wird zu einer fortwährenden Übung.
Da mehrere Elemente im Spiel sind, erfordern Fokus und Priorisierung aktive Anstrengungen. Es gibt keinen vordefinierten Rhythmus oder eine externe Struktur, auf die man sich verlassen kann. Dynamik muss bewusst aufgebaut werden, und Selbstvertrauen folgt oft eher dem Handeln als dass es ihm vorausgeht. Das kann sich manchmal unangenehm anfühlen, aber hier findet auch das nachhaltigste Lernen statt.
Was ich bisher gelernt habe
Obwohl die Reise noch im Gange ist, zeichnen sich bereits einige erste Erkenntnisse ab. Das Warten auf vollständige Gewissheit hätte den Übergang lange verzögert. Es hat sich als unerlässlich erwiesen, zu beginnen, bevor alles klar ist.
Die Verankerung des Portfolios in einem klaren Thema hat dazu beigetragen, Kohärenz zu schaffen. Für mich ist dieses Thema die Transformation von Organisationen, Systemen und Menschen. Es bietet eine gemeinsame Perspektive für verschiedene Aktivitäten und Entscheidungen. Ebenso wurde mir bewusst, dass Beziehungen wichtiger sind als Pläne. Gespräche öffnen Türen, hinterfragen Annahmen und geben eine Richtung vor, wie es keine Tabelle jemals könnte.
Schliesslich ist Reflexion nicht optional. Ohne regelmässige Reflexion läuft ein Portfolio Gefahr, reaktiv statt zielgerichtet zu werden. Es gehört zur Arbeit dazu, Raum zum Innehalten, Überdenken und Anpassen zu schaffen.
Ein fortlaufendes Experiment
Ich betrachte eine Portfolio-Karriere nicht als Ziel. Ich sehe sie als ein fortlaufendes Experiment. Ein Experiment, das sich mit den sich ändernden Möglichkeiten, Interessen und Lebensumständen weiterentwickeln wird.
In dieser Phase liegt mein Fokus nicht darauf, viele Dinge gleichzeitig aufzubauen, sondern die richtigen Grundlagen zu schaffen. Klarheit der Absichten, Qualität der Beziehungen und Raum zum Lernen. Für diejenigen, die einen ähnlichen Weg in Betracht ziehen, ist meine derzeitige Überlegung einfach. Eine Portfolio-Karriere beginnt nicht mit einer perfekten Struktur. Sie beginnt mit Neugier, Engagement und der Bereitschaft, Verantwortung für die Gestaltung der eigenen Richtung zu übernehmen.
Ich freue mich darauf, zu sehen, wohin mich diese Reise führt, und weitere Überlegungen auf diesem Weg zu teilen. Mit Menschen, die derzeit über ihre eigene Karriererichtung nachdenken, sei es ein Portfolio-Ansatz oder etwas ganz anderes, würde ich mich über einen Austausch freuen. Manchmal entsteht Klarheit nicht durch Antworten, sondern durch ehrliche Gespräche.

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